The History of Tacheles
2001/02: "Ein ungleiches Paar" - N. Simon
Eine noch kleine Gruppe „starker Frauen“ (mit freundlicher Unterstützung ihrer geschlechtlichen Gegenparte) schickt sich an zu den Urmüttern einer Jugendbewegung zu werden, die Avantgarde der kulturellen Revolution an kaufmännischen Schulen. Mit dem Vorsatz, rinn in das System und von innen aufmischen, stürzten sie sich in eine Studie der zwischengeschlechtlichen Beziehung. Neil Simon „Ein ungleiches Paar“ – Hanau stand Kopf! Das Ziel war erreicht: Aufmerksamkeit. Doch bevor man sich der Gegenwart widmen kann muss die Vergangenheit bewältigt sein. Sie darf nicht in Vergessenheit geraden, der Umgang mit ihr darf nicht zur Routine werden. Man muss sich ihr stellen, sich ihrer, besonders ihrer Grausamkeit, bewusst sein und bleiben.
2002/03: „Furcht und Elend im Dritten Reich“ – Bertolt Brecht
Genremäßig eine 180 Grad Drehung. Schwere aber bewegende Kost. - Schallendes Gelächter ist für den Darsteller einer Komödie existentiell. Weinen ist eine Reaktion von unheimlicher Kraft und Nachhaltigkeit. - Eine mittlerweile beachtliche Anzahl von Schülern, eine gesunde Mischung von „Urmüttern“ und „Frischfleisch“, setzten sich mit der Vergangenheit ihres Landes auseinander. Die gezeigten Szenen, eine Auswahl aus Brechts umfangreichem Text, bewegten tief, schockierten, machten sprachlos. Die Art und Weise der Darstellung, das Engagement der Schüler und ein starker Schluss à le Fenderl – eine deutliche Stellungnahme zu heutigen rechtsradikalen Bewegungen, ein „Nein“ mit unheimlicher Kraft - spendeten Hoffnung auf die Zukunft und eine aufgeklärte Generation, die der Sogkraft von Führerfiguren und Massenbewegungen widersteht. „Lang lebe König Bockelson!“
2003/04: "Die Wiedertäufer" - F. Dürrenmatt
Aus Neben- wurden Hauptrollen, aus Souffleusen wurden Darsteller. Friedrich Dürrenmatt „Die Wiedertäufer“. Es war Zeit die großen Spielstätten Deutschlands zu erobern, es war Zeit, die „kulturelle Revolution an kaufmännischen Schulen“, die Botschaften einer neuen Generation, durch die Feuilletons an die breite Öffentlichkeit zu bringen – und diese war begeistert! Die Ernte der mühsamen Arbeit des Regieduos Zöller/Fenderl, in den vergangenen beiden Jahren, konnte nun eingefahren werden. Die Erfahrung der „Urmütter“, die Fortschritte des „Ex-Frischfleischs“ und die hervorragende Integration der Jugend war enbeeindruckend. Im Publikum wurde gelacht und nachgedacht, eine herrliche Symbiose der Motive der ersten beiden Stücke. Die Macht der Worte, die Verführbarkeit eines Volkes und die ständige Wiederkehr einer erfolgreichen Verführerfigur waren das Thema des Stücks – zeitlos – eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
2004/05: FREIHEIT!!!! VERANTWORTUNG!!!! ORGASMUS!!!! GOTT!!!!
Klappstuhlgang - In kollektiver Harmonieverwirklichung des Selbst - Eigenproduktion auf der Grundlage von Woody Allens "Gott"
Nach so viel Erfolg ist es nur natürlich, dass man größenwahnsinnig wird. Selbst eine kurze Beschreibung des neuen TACHELES – Projekts würde den hier gegebenen Rahmen mehr als sprengen. Aber soviel ist sicher: „Das hat die Welt noch nicht gesehen!“ (Man munkelt Gott wird erscheinen...) Ok, vielleicht versuch ich´s: Was soll ich sagen? Es ist halt ein typischer Woody Allen, zumindest von der Rahmenhandlung her: schwer zu beschreibendes Riesenchaos um Sehnsucht, Wirklichkeit, Wahrhaftigkeit, Sex, Gott...
und ein paar Protagonisten (inklusive Chor), die versuchen (wirklich nicht mehr!), Klarheit in die Sache zu bringen. Die Handlung, wenn man es so nennen kann, ist schnell erzählt: "Jedes Stück muss einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben", Hepatitis, Tragödiendichter im alten Athen, kurz hinter New York, ahnt das irgendwie. Schlimm, dass ihm kurz vor Beginn des großen Wettbewerbs kein Schluss für sein Stück einfallen will. Schlimmer noch: Ohne Schluss gibt es am Ende auch gar keinen Anfang. Und noch schlimmer: Ohne Stück gibt es auch keinen Sieg und damit keine Kiste Ouzo, von der Ehre ganz zu schweigen. Also muss ein Schluss her, darauf besteht schon Diabetes, abgehalfterter Schauspielerfreund von Hepatitis und Protagonist in dessen Stück. Aber wie soll man einen Schluss erfinden, wenn man selbst nur Teil eines schlechten Stückes ist, und die eigene Existenz ebenso der Ideenlosigkeit des Autors ausgeliefert ist, wie alle, die man um Rat fragen könnte? "Ich bin nicht fiktiv" protestiert die hinreichend attraktive Zuschauerin Doris Levine, selbsterklärte Expertin für philosophische Fragen und Männerphantasien. Auch ihre Sexsucht (sie sucht für sofort und auf der Bühne...) ist aber nur eine der Sehnsüchte, die trotz aller Erfüllung keine Erfüllung haben kann - sie hatte trotz oder wegen ihrer reichen Erfahrung noch nie einen wirklichen Orgasmus. Was auch immer das ist... Andere mischen sich ein: Lorenzo Miller, ebenfalls Schriftsteller, gibt vor, gleich das gesamte Publikum kreiert zu haben, und auch Woody ruft gelegentlich an, um sich nach dem Gelingen seines Stücks zu erkundigen. Das möglicherweise wirkliche Ende der Aufführung gerät zum unfreiwilligen Showdown. Trichinosis, Helfer in der Not, schickt mit seinem "deus ex machina" den frisch erfundenen Gott versehentlich ins Jenseits. Gibt es das überhaupt? "Natürlich gibt es eine jenseitige Welt. Die Frage ist nur: wie weit ist sie von der Innenstadt entfernt, und wie lange hat sie offen." Diese Wirklichkeitsebenen, mit denen Allen spielt, werden im Stück ständig gebrochen. Unsere engagierte Regiegruppe hat annähernd 7 unterschiedliche Ebenen entdeckt, bzw. will diese besetzen, in der Hoffnung, dass der Zuschauer nicht gänzlich auf der Strecke bleibt. Und irgendwo sind wir da mittendrin und versuchen selbst den Überblick zu behalten.
Verknüpft und dramaturgisch genial montiert wurde dies u.a. mit Versatzstücken aus "Endstation Sehnsucht", "Woyzeck", "Geschlossene Gesellschaft" und "Draußen vor der Türe". Aufführungen waren im Sommer 2005 auf dem Schulgelände.
2005/2006: "Ein Sommernachtstraum" - Shakespeare in freier Bearbeitung durch Johannes Hock
Also diesmal ein Klassiker, der in T.A.C.H.E.L.E.S. typischer Art und Weise bearbeitet und besonders durch die freie Textbearbeitung durch Johannes Hock ein besonderes Vergnügen bereitete.
Unter den vier jungen Menschen Hermia, Lysander, Demitrius und Helena ist die Liebe nicht wirklich optimal verteilt. Demetrius liebt Hermia, Helena liebt Demetrius, Lysander liebt Hermia und Hermia liebt Lysander, was Hermias Vater gar nicht gefällt, schließlich hat dieser Hermia Demetrius versprochen. Dieses Ansinnen des Vaters wird durch die Athener Gesellschaft unterstützt, die Liebenden müssen in den Wald fliehen, sie werden verfolgt von Helena und Demetrius. Der Wald selbst bietet Freiheit aber auch kaum Schutz und eine Menge Überraschungen, ausgelöst durch Oberon, der seinen Bediensteten Puck anweist den Liebenden einen Liebessaft einzuträufeln. Dies wird falsch ausgeführt und erst nach einem Wechselspiel der Gefühle kommt es zu einem guten Ende.
Aufführungen waren im Sommer 2006 im Comoedienhaus Wilhelmsbad.
2006/2007: "Identitöten. Eier. Leben. Packen." - Eigenproduktion nach Motiven von Martin Heckmanns zusammengestellt und frei bearbeitet von Johannes Hock
Konsequent postdramatisch inszeniert, bei Gleichrangigkeit von Musik, Sprache, Bühnenbild, Licht und Darstellung. Chorische Elemente, sprachliche Loops, Handlungswiederholungen, "zusätzlich, gleichzeitig, parallel..."
Eine spannende, bewegende Auseinandersetzung mit dem Beginn des Lebens, dem Älter-werden, dem Sterben. Intensive Bilder die stäker installiert als Sprache, mehrdeutig, mehrdeutlich - oft in der Negation des Lebens letztlich Lust am Leben zeigte.
4 Aufführungen im Herbst 2007 im Comoedienhaus.
2007/2008: "Theatertag an den Kaufmännischen Schulen" - Theater für alle Schülerinnen und Schüler
Improtheater, Workshops für Maske, Tanz, Atem und Stimme - den ganzen Vormittag konnten sich Schülerinnen und Schüler in von Mitgliedern der Theater AG geleiteten Workshops einwählen und ihre Kreativität ausprobieren.
Nach der Mittagspause dann die Aufführungen auf der großen Bühne vor dem Haupttrakt der Schule, inklusive Lehrerband, beeindruckenden Tanzvorführungen, Maskenspiel und starkes Improtheater...
2008/2009: "Maria Stuart u.a." - eigenwillige Umsetzung eines großen Stoffes