Schülerfeedback

Im Zentrum des Feedbacks durch die Lernenden steht das handlungswirksame Feedback. Beziehungsaspekte sind nicht grundsätzlich auszuklammern, da sie anerkanntermassen zur Qualität des Unterrichts und Lernerfolgs beitragen.

1.      Empfehlungen

Empfehlung

Erläuterung

Wahrnehmungen erfragen


Subjektive Eindrücke und Erfahrungen erfragen, nicht generelle Wert-Urteile.

Die Frage soll lauten «Wie gut fühlen Sie sich persönlich von der Lehrperson verstanden? » (-> Antwortskala)

und nicht: «Bewerten Sie, wie gut die Lehrperson die Schüler versteht mit einer Note zwischen 1 (schlecht) bis 6 (sehr gut)»

Urteilskompetenz beachten

     Feedback einholen zuThemen und Aspekten, in denen die Feedback-Geber kompetent sind.

Darin sind Lernende grundsätzlich sehr kompetent:

·   Einschätzung des eigenen Engagements

·   Einschätzung der Atmosphäre, des Schulklimas

·   Einschätzung des Klassenklimas

·   Vorlieben zu Arbeitsmethoden, Aufgabentypen

·   Subjektive erlebte Angemessenheit von Tempo, Schwierigkeitsgrad, Komplexität

·   Interesse am Stoff, am Fach, am Thema

·   Auffälligkeiten („Ticks“) der Lehrperson

·   Gerechtigkeitsempfinden (Bevorzugungen)

·   Empathie,  unterstützende Haltung der Lehrperson

Dazu können Lernende

Anregungen geben:

·   Angestrebte Verhaltensänderungen (eigene Person, als Lerngruppe, als Klasse)

·   Gewünschte Themen, Aspekte.

Aktualität und

Bedeutsamkeit


Ausgewählte Aspekte erlauben eine ehrlichere und direktere Rückmeldung, da sie für die Feedback-Geber naheliegender sind (konkrete Situationen und Handlungen, Aktuelles).

Spezifisch ausgewählte Feedback-Aspekte sind echter und glaubwürdiger als umfassende-Feedbacks zu allen Facetten des Lehrerberufes.

·   Fragen formulieren, die für die Lehrperson, die aktuelle Situation, die Klasse bedeutsam sind.

·   Die Klasse kann u.U. in die Gestaltung des Feedback einbezogen werden.

Anonymität gewährleisten  

 
In hierarchischen Beziehungen (Noten, Disziplinarstrafen) soll die Ano­nymität der Feedback-Geber ermöglicht werden.
Im Zielkonflikt mit der Offenheit soll die Authentizität Vorrang haben.

Nur schriftliche Feedbacks beachten die Anonymität

·   Geeignet sind skalierte Fragen; bzw. mit PC geschriebene verbale Antworten

·   Auch unvollständige Antworten zulassen

·   Beachten, dass Klasse keinen sozialen Druck erzeugt

·   Klassenchef/in sammelt ausgefüllte Bögen ein.

Rückmeldungen geben   

     
Resultate des Feedbacks sollten mit den Feedback-Gebern (Klasse) besprochen werden. Neben den Ergebnissen sollten sie auch die Konsequenzen erfahren, damit sie zu weiteren Feedbacks Hand bieten.

Wer Feedback gibt, möchte auch wissen, wie es ankommt und welche Wirkung es hat

·   Die Ergebnisse sind der Klasse mitzuteilen

·   Folgerungen, Konsequenzen soll die Klasse erfahren bzw. zusammen mit der Lehrperson erarbeiten

·   Quervergleiche mit gleichem Feedbackinstrument zwischen Klassen relativieren mögliche Verzerrungen.

Veränderungsrelevanz         
Nur Themen und Aspekte dem Feedback aussetzen, die veränderbar sind und die zu verändern man bereit ist.
Hausordnung, Stoffpläne etc. erfüllen diese Voraussetzung nicht!

·   Die Lehrperson muss bereit und in der Lage sein, die Resultate des Feedbacks künftig in ihren Handlungen zu berücksichtigen.

·   In einem (vertraulichen) kollegialen Qualitätszirkel die Resultate diskutieren und Folgerungen ableiten.

·   Zusammen mit der Klasse einen Aktionsplan erarbeiten (gegenseitige Vorsätze, ev. schriftlich festhalten).

·   Der Klasse mitteilen, welche Punkte verändert werden sollten und begründen, welche nicht.

 

2.         Fragebogen-Methode

 Je nach Zweck und Zielgruppe bieten sich formalisierte Instrumente (Fragebogen mit skalierten Antwortmöglichkeiten) oder offen formulierte Fragen an. Auch Mischformen sind möglich.

Vergleich formalisierte und formlose Feedback-Instrumente:

für formalisierte Instrument spricht

für formlose Instrumente spricht

·  Vergleichbare Resultate (Vergleich über die Zeit oder zwischen Klassen)

·  Bei jüngeren und/oder eher ungewohnten Lernenden

·  Bei sprachlich ausdrucksschwächeren Lernenden (einfach, verständlich formulieren, ev. grafisch unterstützen!)

·  Einfache Auswertung, quantifizierbar, darstellbar

·  Themen und Aspekte sind relativ gut kontrollier- und steuerbar

·   Hochgradige Anonymisierung möglich (nur ankreuzen).

·  Für reifere, feedbackgewohnte Personen

·  Kreative Antworten sind möglich, „blinde Flecken“ der Lehrperson können aufscheinen

·  Schnell und spontan einsetzbar.

zu beachten bei formalisierten Feedbacks

zu beachten bei formlosen Feedbacks

Gefahr der unreflektierten Übernahmen bestehender (eigener oder fremder) Vorlagen.

Vorgegebene Fragen und durch Skalen/Ziffern quantifizierte Antworten, können Eindeutigkeit und Objektivität suggerieren. Verstehen aber alle die Fragen und Antworten gleich? (Wortverständnis, Interpretationen,...).

Es kann zu sehr assoziativen, zufälligen Äusserungen kommen (situativ, emotional geprägt).

Geringe Vergleichbarkeit der Antworten zwischen Klassen bzw. in der Zeitdimension.

Spätestens im Auswertungsgespräch lässt sich die Anonymität schlecht aufrechterhalten, wenn auf individuell geäusserte Aussagen eingegangen werden soll.

 

3.    Variationen, weitere Methoden

Aus der Kombination verschiedener Verfahren und aus Abwandlungen einzelner Methoden können verwandte Anwendungsformen in der Literatur nachgelesen oder selber ausgedacht werden. Zum Beispiel unter folgenden Begriffen: Stummer Dialog, Wandzeitung, Zielscheibe, etc.  

Vorschlag zur Durchführung von Schülerfeedback an den Kaufmännischen Schulen 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildungsveranstaltung geben folgende Empfehlungen für die Durchführung von SchülerInnen-Feedback: 

Häufigkeit

nicht mehr als 2x pro Jahr pro Lehrkraft 

Zeitpunkt:

Thematische Einbettung

Auswertung und Besprechung mit den Feedbackgebern

Klassen- / Lerngruppenauswahl

Absprache über Durchführung damit nicht alle Lehrkräfte einer Klasse Feedback in dieser Klasse erheben  

Literatur: